24. Hessischer Mobilitätskongress

Land in Bewegung – wie gelingt Mobilität auf dem Land, die alle mitnimmt?

Über 150 Teilnehmende, 4 Runden, 8 Themen, 16 Sessions – unzählige Gespräche, Ideen und Lösungen. Das war der diesjährige Hessische Mobilitätskongress. Erstmalig in einem neuen Konzept: interaktiv und Augenhöhe.

Der Hessische Mobilitätskongress schlug in diesem Jahr andere Wege ein und verwandelte das House of Logistics and Mobility (HOLM) mit den Expert-Sessions in eine dynamische Workshop-Landschaft.

Statt klassischer Vortragsformate erwarteten euch Themeninseln, an denen ihr in wechselnden Kleingruppen die Mobilität im ländlichen Raum verstehen, diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze skizzieren konnten. Ein Kurzimpuls einer Expertin oder eines Experten gab jeweils den Auftakt.

So wird aus Beobachtung Mitgestaltung! 

Keyvisual des 24. Hessischen Mobilitätskongresses

Die Expert-Sessions

Nachfolgend findet ihr Zusammenfassungen der besprochenen Inhalte der acht Themen. Wir haben für euch zusammengetragen, was in vier Runden in den zwei Sessions pro Thema besprochen wurde – runtergebrochen auf das Wesentliche.

Logistik auf dem Land: Wie lassen sich wirtschaftliche Entwicklung und zuverlässige Versorgung miteinander verbinden?

In dieser Session diskutierten Prof. Dr. Axel Wolfermann (Hochschule Darmstadt) und Kolja Fichtner (Transprimus GmbH) mit den Teilnehmenden die unterschiedlichen Perspektiven auf Herausforderungen und Chancen einer leistungsfähigen Logistik- und Versorgungsstruktur im ländlichen Raum.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
Kommunen fehlt es in der Regel an Wissen über Logistik – zudem werden sie bei komplexen Logistikfragen oft alleingelassen. Das betrifft etwa die Planung von Gewerbegebieten, Lieferkonzepten oder die langfristige Sicherung der Schieneninfrastruktur. Gleichzeitig ist Logistik wichtig für die Versorgung der Bevölkerung, besonders wenn wohnortnahe Einzelhandelsstrukturen und Dienstleistungsangebote zunehmend wegfallen.

Lösungsansätze 
Personenmobilität, Güterverkehr und Energieversorgung sollten daher stärker als zusammenhängendes System gedacht werden. Mobilitätsstationen könnten sich zu multifunktionalen Knoten entwickeln, die Paketstationen und weitere Versorgungsangebote bündeln. Logistikstandorte ließen sich mit Photovoltaikflächen und Batteriespeichern als regionale Energieinfrastruktur nutzen. Auch Schienenreaktivierungen sollten sowohl für Personen- als auch für Güterverkehr geplant werden. Für die Bewältigung solcher komplexen Aufgaben ist eine beratende Unterstützung der Kommunen unverzichtbar.

Autonome On-Demand-Mobilität: Die nächste Generation ÖPNV. Was müssen Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen heute schon vorbereiten?

Sofia Pavlakis und Thorsten Möginger (rms GmbH) diskutierten mit den Teilnehmenden, wie sich Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen heute auf autonome Verkehre vorbereiten können, und erarbeiteten nach einem Impuls aus dem Projekt KIRA zentrale Handlungsfelder, priorisierten gemeinsam konkrete nächste Schritte und hielten die wichtigsten Ergebnisse fest.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
In der Öffentlichkeit fehlt bislang eine klare Vision für autonome Mobilität, und europäische Technologieanbieter sind kaum vertreten, während US- und chinesische Unternehmen auf den europäischen Markt drängen. Zusätzlich besteht die Sorge, dass solche Angebote nur isoliert als Robotaxis gedacht werden.

Lösungsansätze 
Autonome Vans und Shuttles sollten den klassischen ÖPNV ergänzen, nicht ersetzen, und flexible Verbindungen zu starken Verkehrsachsen herstellen. Besonders im ländlichen Raum können sie Antworten auf geringe Auslastung, fehlende Verbindungen und Personalmangel geben. Zudem könnte eine vollständige Integration in Tarife, Apps und Reiseketten, flächendeckende, bezahlbare Angebote ermöglichen. Eine attraktive Rahmenstruktur für Anbieter im ÖPNV könnte es auch Hessen ermöglichen, auf diese Technologien zuzugreifen.

Land lädt auf: Wir planen zusammen öffentliche Ladeinfrastruktur. Wie entstehen tragfähige Konzepte von der Bedarfsermittlung bis zum Standort?

Mit Judith Kreutzer (Stadt Oberursel) und Volker Gillessen (ecolibro GmbH) besprachen die Teilnehmenden unterschiedliche Aspekte der Ladeinfrastruktur. Sie erarbeiteten praxisnah die Entwicklung eines Ladeinfrastrukturkonzepts – von der Bedarfsermittlung über Flächensuche und Standortbewertung bis hin zur Ausschreibung – und tauschten sich zu Herausforderungen, lokalen Einflussfaktoren und geeigneten Standortstrategien aus, um Praxisbezug, Vernetzung und Erfahrungsaustausch zu stärken.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
Kommunen bewegen sich beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in einem komplexen rechtlichen und organisatorischen Feld und müssen dabei transparente, diskriminierungsfreie Verfahren gewährleisten. Vielen Gemeinden fehlt zudem geschultes Personal und praxisnahes Wissen für konkrete Vorhaben. In Städten ist der Druck zum Aufbau öffentlicher Infrastruktur höher, während auf dem Land vor allem touristische Destinationen besondere Aufmerksamkeit benötigen.

Lösungsansätze 
Klarheit schaffen können verbindliche Rahmenbedingungen, praxisnahes Wissen durch Handreichungen, Beratungsangebote und spezielle E-Lotsen-Schulungen. Eine Orientierung am Carsharing-Gesetz für rechtliche Regelungen und eine gezielte Standortplanung im ländlichen Raum, wo viele Haushalte eigene Stellplätze besitzen, ergänzen die Lösungsansätze.

E-Busse im Einsatz: Was bedeutet die Elektrifizierung einer Busflotte für Betriebshof, Tourenplanung und Personal?

In dieser Session diskutierten Melissa Dworschak (HEAG mobiBus GmbH) und Ulrich Erven (Landesinitiative Strom bewegt) mit den Teilnehmenden die Elektrifizierung des ÖPNV und erarbeiteten gemeinsam eine Strategie für die Umstellung einer Busflotte auf Elektrobusse – von der Planung bis zur praktischen Umsetzung.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
Der Umstieg auf E-Busse bedeutet für Verkehrsunternehmen hohe Investitionskosten, den notwendigen Aufbau von Ladeinfrastruktur und umfangreichen Qualifi zierungsbedarf beim Personal.

Lösungsansätze 
Die Transformation eröffnet die Chance, bestehende Strukturen ganz neu zu denken – Depots, Umläufe, Energieversorgung und Fahrpläne können stärker integriert gedacht werden. Der ländliche Raum profi tiert dabei von günstigeren Flächenverhältnissen für Ladestationen und mögliche Energieerzeugungsmöglichkeiten. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Verkehrsunternehmen kann Doppelarbeit vermeiden und Best Practices sichtbar machen.

Jedes Dorf, jede Stunde: Utopie oder Mindeststandard? Wie kann ein attraktiver und verlässlicher ÖPNV im ländlichen Raum aussehen?

Luisa Neurath und Martin Weißhand (NVV – Nordhessischer VerkehrsVerbund) diskutierten mit den Teilnehmenden, wie sich der Stundentakt auf dem Land umsetzen lässt und erarbeiteten, wie die Mobilitätsbedürfnisse im ländlichen Raum aussehen, wie mehr Menschen für den Umstieg überzeugt werden können und wie ein attraktiver ÖPNV auf dem Land geplant werden kann.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
Geringe Auslastung, fehlende Verbindungen und Personalmangel im Fahrbetrieb prägen die aktuelle Lage, während klassische Linienbusse für kleinere Ortschaften oft ungeeignet sind. Mobilitätsangebote enden häufig an administrativen Grenzen, statt sich an den tatsächlichen Bedarfen der Menschen zu orientieren.

Lösungsansätze 
Ein verlässlicher Stundentakt als Mindeststandard, kombiniert mit flexiblen Konzepten wie On-Demand-Angeboten und autonomen Verkehren, bildet die vielversprechende Lösung. Verlässliche Fahrgastinformationen, digitale Vernetzung und aktive Bürgerbeteiligung sorgen dafür, dass Angebote sich tatsächlich an Lebenswegen orientieren. Einheitlichere Standards und kompatible Datenschnittstellen ermöglichen übergreifende Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gebietskörperschaften. Mobilität sollte sich am Bedarf ausrichten, nicht an Kreis-, Verbund- oder Landesgrenzen.

30 Jahre Regionalisierung in Hessen: Eine Erfolgsgeschichte? Was hat sich bewährt, was braucht der ÖPNV künftig?

30 Jahre Regionalisierung des öffentlichen Nahverkehrs diskutierten Kai Daubertshäuser (RMV), Thorsten Fromm (RMV), Sarah Schmidt und Martin Lometsch (NVV) mit den Teilnehmenden und erarbeiteten gemeinsam Visionen für die weitere Entwicklung des ÖPNV – von den bisherigen Fortschritten beim Streckennetz und Tarifsystem bis hin zu Zukunftsvorstellungen für die kommenden Jahrzehnte.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
Der Rückblick auf 30 Jahre Regionalisierung des öffentlichen Nahverkehrs fällt grundsätzlich positiv aus, doch gilt es, den Blick klar nach vorne zu richten. Autonomes Fahren, On-Demand-Angebote und neue digitale Systeme werden den ÖPNV weiter verändern. Zudem muss der öffentliche Verkehr verlässlicher werden, Informationen aktuell und verständlich sein, und die Nutzung des ÖPNV einfacher gestaltet werden.

Lösungsansätze 
Ein großer Fortschritt bei der Standardisierung gebietsübergreifender Tarife ist das Deutschlandticket. Eng damit verbunden ist die Frage der Finanzierung. Für einen verlässlichen Nahverkehr und eine leistungsfähige Infrastruktur braucht es langfristige Planungssicherheit. Eine Lösungsmöglichkeit hierfür könnte unter anderem eine Nahverkehrsabgabe sein, wie sie bereits in einigen Bundesländern existiert. Zudem muss der ÖPNV stärker als selbstverständlicher Bestandteil der alltäglichen Mobilität wahrgenommen werden – nicht lediglich als Angebot für Menschen, die keine andere Möglichkeit haben. Wichtig hierfür ist ein Imagewandel, zu dem auch die Politik beitragen sollte.

Wenn das Ausflugsziel zum Nadelöhr wird: touristische Mobilität neu denken. Wie gelingt eine attraktive Anreise und Fortbewegung ohne eigenes Auto?

In dieser Session diskutierten Angela Eisenblätter (Regionalmanagement Nordhessen) und Claus Günther (Edersee Touristik) mit den Teilnehmenden die Planung von Wanderausflügen rund um die GrimmHeimat NordHessen und erarbeiteten gemeinsam ein komplettes Wanderwochenende – von der Anreise über Übernachtung und Mobilität vor Ort bis zur Auswahl der Routen – sowie kreative Lösungen für Planungs-Herausforderungen.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
Attraktive Mobilitätsangebote bleiben wirkungslos, wenn sie nicht gefunden werden, da Reiseplanung heute über zahlreiche digitale Plattformen und analoge Kanäle erfolgt. Viele potenzielle Besucher wissen gar nicht, welche Möglichkeiten Hessen für Ausflüge und Urlaub bietet. Sichtbarkeit ist somit genauso wichtig wie die Qualität der Angebote selbst.

Lösungsansätze 
Aktuelle, gut strukturierte und technisch kompatible Daten sind unverzichtbare Voraussetzung für gute Auffindbarkeit auf allen relevanten Plattformen. Zudem muss aktiv beworben werden, dass Hessen in der Mitte Deutschlands liegt und eine traumhafte Mittelgebirgslandschaft besitzt – diese Vorteile sind vielen schlicht nicht bewusst. Dabei ist es wichtig, dass das Fachpersonal für Datenmanagement ausreichend finanziert und personell abgesichert wird.

Zwischen Feldweg und Bundesstraße: Wie fährt der Radverkehr von morgen?

Nicole Sude und Gabriele Garthe (Landkreis Waldeck-Frankenberg) sowie Eva Schecker und Franziska Knaack (Landkreis Groß-Gerau) besprachen mit den Teilnehmenden die Weiterentwicklung des Radverkehrs und erarbeiteten gemeinsam eine Strategie – von der Planung attraktiver Radwege über die Kombination touristischer Radrouten mit Alltagswegen bis hin zur Steigerung der Umsteigerate – um den Radverkehr sicher, attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten.


Ergebnisse der Session

Herausforderungen
Finanzielle Engpässe, starre Förderbedingungen und teilweise ungünstige topografische Gegebenheiten erschweren den Radwegebau erheblich. Die ausgeprägte Autogewohnheit in ländlichen Regionen stellt zusätzlich eine Hürde für den Umstieg dar.

Lösungsansätze 
Förderprogramme sollten stärker an örtliche Bedingungen angepasst werden, um sinnvolle Kompromisse zu ermöglichen. Bestehende Straßenräume, die nach heutigen Maßstäben großzügig dimensioniert sind, bieten Potenzial für vergleichsweise einfache Maßnahmen zur Flächenneuverteilung zugunsten sicherer Radverkehrsführungen. Ein durchgängiges, sicheres, direktes und komfortables Netz ist notwendig, um Autofahrer wirklich zum Umstieg zu bewegen. Pragmatischere Lösungen statt starrer Vorgaben könnten den Ausbau deutlich beschleunigen.

Impressionen

© LEA / Jana Kay Photography

Feedback zum 24. Hessischen Mobilitätskongress

In diesem Jahr sind wir neue Wege gegangen, um die Mobilität in Hessen weiter voran zu bringen.

Uns ist wichtig, zu überprüfen, ob dieser weg auch in die richtige Richtung geht. Lass‘ uns wissen, welchen Eindruck der #hmk26 bei dir hinterlassen hat.

Kontakt

Foto von Sandra Bardt

Sandra Bardt

Projektleiterin
Mobiles Hessen 2030